Advance Care Planning (= Vorausschauende Behandlungsplanung ACP) ist ein international verwendetes und umfassendes Konzept im Gesundheitswesen, mit dem Ziel besser sicherzustellen, dass auch bei nicht urteilsfähigen Menschen die Behandlung an deren Wertvorstellungen ausgerichtet wird. Das ACP-Konzept nahm seinen Ausgang in den 1990erJahren in den USA und Kanada, breitete sich in den 2000er  Jahren im englischsprachigen Raum und Deutschland aus und wurde mit dem nationalen Forschungsprogramm NFP 67 «Lebensende» (2012-2017) auch in der Schweiz zunehmend bekannter. Zahlreiche internationale, aber auch in der Schweiz durchgeführte Studien, Projekte und wissenschaftliche Publikationen befassen sich mit dem Konzept ACP.

Warum gesundheitlich vorausplanen?

Die meisten Menschen wollen selbst entscheiden, wie sie bei Krankheit oder nach einem Unfall medizinisch behandelt werden; auch dann, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, ihren Willen selbst mitzuteilen.
Häufig ist der Wille einer Patientin oder eines Patienten trotz einer Patientenverfügung unklar oder widersprüchlich formuliert. Ärztinnen und Ärzte wollen Sie jedoch jederzeit gemäss Ihren Vorstellungen und Zielen behandeln, sei es auf einer Notfall-, einer Intensivstation oder zu Hause.
Das in der Schweiz geltende Er-wachsenenschutzrecht schreibt seit 2013 vor, dass Patientenverfügungen rechtlich verbindlich sind. Nur in Notfallsituationen entscheiden Ärztinnen und Ärzte nach bestem ärztlichem Ermessen.


Warum keine Vorlage aus dem Internet verwenden?

Die gesundheitliche Vorausplanung (auf Englisch Advance Care Planning, ACP) hat zum Ziel, Sie so zu beraten, dass Sie wichtige Entscheidungen für eine Patientenverfügung gut informiert treffen und klar formulieren können. Sie sollen mögliche Folgen Ihrer Behandlungswünsche verstehen sowie Chancen und Risiken abwägen können. Zertifizierte ACP-Beraterinnen und -Berater begleiten Sie in diesem Prozess. Ihre Entscheidungen können in einer Patientenverfügung «plus» festgehalten werden
.
Die gesundheitliche Vorausplanung nach ACP ist wissenschaftlich fundiert und wird auch vom Bundesamt für Gesundheit empfohlen.


Wie funktioniert die gesundheitliche Vorausplanung nach ACP?

Die ACP-Beratenden besprechen mit Ihnen, idealerweise auch mit Ihren engen Bezugspersonen, Ihre ganz persönlichen Werte, Wünsche und Vorstellungen, das Leben, Krankheit und auch Sterben betreffend. 
Damit helfen sie Ihnen, Therapieziele für unterschiedliche Situationen festzu-legen, basierend auf Ihren persön-lichen Einstellungen. Sie werden zum Beispiel gefragt:

•   Wie gerne leben Sie?
•   Welche Bedeutung hat es für Sie, noch lange zu leben?
•   Darf eine medizinische Behand-lung dazu beitragen, Ihr Leben in einer Krise zu verlängern? •   Welche Belastungen und Risiken sind Sie bereit, dafür in Kauf zu nehmen?

Sie können ausserdem eine oder mehrere Personen bestimmen, die Sie im Falle Ihrer Urteilsunfähigkeit vertreten. Nach einem Beratungsgespräch ist die Patientenverfügung «plus» noch nicht in Stein gemeisselt. Ihre Erstellung wird als Prozess verstanden, das heisst, Sie können Ihre Entscheidungen jederzeit Ihrer aktuellen Lebens- und Krankheitssituation an-passen. Wenn Sie Änderungswünsche haben, unterstützt Ihre ACP-Beraterin oder Ihr ACP-Berater Sie gerne erneut.


Wann ist der ideale Zeitpunkt, eine ACP-Patientenverfügung „plus“ mit Beratung erstellen?

Die gesundheitliche Vorausplanung nach ACP ist für alle Menschen wichtig und sinnvoll, egal ob krank oder gesund, jung oder alt, ob alleine lebend, in einer Familie oder Gemeinschaft. Ein medizinischer Notfall kann uns alle jederzeit in jedem Alter und in jeder Situation treffen.